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Dienstag, 11. Oktober 2016

TW Email an (m)eine Therapeutin

Liebe Frau,

ich grüße Sie ganz herzlich! Heute habe ich einmal (wieder) eine Frage an Sie. Mir ist klar, dass Sie darauf vermutlich keine knackige Antwort haben, aber möglicherhoffentlicherweise ein paar Anstöße praktischer und theoretischer Art. Das wäre toll!

Ich bin ja nun seit geraumer Zeit recht stabil. Was das konkret bedeutet? Nun, zunächst habe ich für mich als Orientierung den Zustand von "früher" dh nicht den Maßstab "gesunde Menschen". So arbeite ich nur max x%. Die Depressionen sind wellenartig. Die Angst ist fast immer da, besonders morgens. Hey, wie ist es, ohne Verkrampfung in Kopf und Bauch aufzuwachen? Das muss schön sein. Tagsüber lässt sie meistens nach.
Mein wichtigster Erfolg ist sicherlich, dass ich seit fast 2,5 Jahren nicht erbrochen habe. Nicht ein einziges Mal. Auch hatte ich im selben Zeitraum keinen echten Fressanfall, allerdings ist mein Essverhalten durchaus ... ungewöhnlich. An manchen Tagen esse ich abends den Großteil und will das auch so. An anderen esse ich alle 1-2 Stunden etwas, ziemlich durcheinander, häufig auch Süßigkeiten. Immer noch im Rahmen, ohne (direkten) Kontrollverlust und ohne Übelkeit.
Ich halte seit Anfang 2015 ein Gewicht zwischen x und ykg, ich mache etwa x mal in der Woche Sport. Sport ist nach wie vor sehr wichtig für mich - als Kontrollinstrument von Hunger und Sättigung und Gewicht und Balance gegen die Tage, an denen ich "rummampfe". Tendentiell sehe ich eher die Gefahr eines Überessens bei mir als einer Restriktion (da war ich nie so der Typ dafür, nur in Verbindung mit der Bulimie).
Das heisst aber auch, dass immer noch ein recht großer Druck auf und in mir lastet, eine große Angst zuzunehmen und "das Essen nicht recht steuern zu können". Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich, selbst wenn ich es mal versuche, nicht wirklich unterkalorisch essen kann. Möchte ich ja auch nicht - ich möchte nicht abnehmen, aber eben auch nicht zu! Was mich daran beunruhigt, ist, dass ich es nicht aushalten würde, eine "normale Diät" zu machen, um, sagen wir, 2kg abzunehmen. Damit wäre ich immer noch nicht im Untergewicht, mir geht es also nur darum, warum ich es nicht schaffe, mich zu disziplinieren und in der Tendenz eher mehr (als weniger) esse. Also, sollte ich irgendwie doch zunehmen - könnte ich mich nicht mit: dann nimmst du eben wieder ab! trösten. Das macht mir Angst!

Eine Frage, nur Ihre Erfahrung/Meinung: Kann das doch letztlich mit dem Sertralin plus Quetiapin zusammenhängen? Das nternet ist VOLL von Horrorstories .... :-//

Wichtiger aber: Wie kann ich ansetzen? Ich habe mich mit dem jetzigen Gewicht gut arrangiert, aber mehr ist Horror und mit riesiger Angst und tausend Gedanken/Überzeugungen besetzt. Dabei geht es hauptsächlich um Bewertungen von Anderen. Es wäre mir einfach sooooooooooooo peinlich, ein höheres Gewicht zu haben!! Ich habe so große Angst, was man dann von mir denkt und bla....(hier haken dann auch Täterintrojekte fest ein und krallen sich alle Ratio).

Letztlich bleibt immer noch etwas stehen wie:

Ich darf nicht sein.

Nicht einfach so - weil das "einfach ichsein" eben so schlecht und nicht erstrebenswert/lebenswert/liebenswert ist. Dh ich kanndarf nur sein, wenn ich versuche, dieses Grund-ich zu verstecken und so zu tun, als sei ich anders. Innen bin ich also das dumme, fette, unsportliche (!), tappsige Kindmädchen von damals und unternehme alles, dass sie nicht "ausbricht", zum Vorschein kommt. Ach, ich wünschte, ich könnte sie umbringen! Irgendwie fühlt es sich an, als läge sie innerlich auf der Lauer (mieses Ding) und warte nur darauf, dass ich einmal zu müde bin, um all das Antrainierte aufrechtzuerhalten - diese scheinbar nette, schlanke, disziplinierte, ruhige, bedachte, kluge junge Frau, die ich versuche darzustellen.
Und das kostet soooooo viel Kraft. Dieses Innenmonster wegzusperren, damit niemand sie zu sehen kriegt.

Okay, und wie kriege ich das jetzt hin, dass es nicht ganz so anstrengend in meinem Kopf ist? Nicht ganz so laut, nict ganz so aufdringlich und herrisch und hässlich und spöttisch?
Wenn mir schon nicht die Nächte gehören (das Seroquel wirkt zwar noch sedierend, nicht mehr aber auf die Alpträume....5 von 7 Nächten Horror. Jede. Woche. Jeden. Monat.), wäre es schön, wenn mein Leben mir am Tag gehöre würde.

Ich
bin
so
f****ng
müde.


Sorry, was war gleich die Frage?

Wo, bitte, ist der Ausgang?

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