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Donnerstag, 29. Dezember 2016

Home is not home

Weihnachten ist vorüber. Es waren anstrengende Tage im Virhinein, es gab Sorgen und Angst und Norovirus und Arztbesuche mit langem Warten, es gab Arbeiten und Einkaufen und Sport und Stress und Planen und Vorfreude.

Dann war Heilig Abend und wir trafen rechtszeitig in Der Stadt ein, die Eltern, die Schwester, ihr Mann, die Nichte, das Haus, der Tannenbaum, die Liebe.

Wir tranken Tee und Hund und Kind vertrugen sich, das Kind krähte und klatschte, der Hund ließ sich mit Erdnüssen füttern und schmuste.

Es gab Bescherung um 17 Uhr und Raclette um 20 Uhr, das Kind dachte nicht daran zu schlafen und tanzte mit glitzernden Augen auf dem Teppich.

Es gab Bescherung um 21 Uhr und das Kind dachte nicht daran zu schlafen und telefonierte mit dem Kochlöffel.

Wir tranken Fruchtlikör und aßen Plätzchen, es war so viel Freude und Familie im Raum und ich war ganz.

Der Hund schlief unterm Tisch und das Kind brüllte, die Schwester guckte verknittert und der Mann trug das Kind ins Bett.

Meiner und ich kuschelten und fielen nach Mitternacht ins fremde Bett.

***

Wir standen um 8Uhr auf, weil er arbeiten musste um 11Uhr, der Rest der Familienmenschen war auch schon wach (besonders das Kind) und es gab Frühstück und Packen und die Hundeweihnachtswurst wurde vergessen und wir schafften es problemlos zurück.

Ich hatte Kopfschmerzen und war unendlich müde, wir netflixten den Nachmittag auf dem Sofa und aßen abends nochmal Raclette.

***

Wir vergammelten den 26.12. und dann war wieder Alltag und die Würmer der Angst fraßen sich mit einer Vehemz in mein Gehirn, dass ich schreien wollte.

Was in den letzten Wochen und Monaten nächtliches Alptraumzucken war, abflachte am Tag und dem Alltag widerwillig aber dennoch wich, türmt sich jetzt zu  Angstangstangstgebirgen auf, ich atme, ich atme nicht, es tut weh, alles
tut so weh.


Ich will nicht glauben, dass es an dem Besuch in Der Stadt liegt, denn wir fuhren doch nur hindurch - hier das Schloss, die Stadtkirche, der Bahnhof, der früher so anders aussah, hier geht es zu den Eltern, die Sparkasse, der Supermarkt, vor dem ich einmal unseren Hund vergaß, und meine Schwester ihn rettete, und dann waren wir angekommen und hier oben in Der Siedlung gab es kaum Trigger, das Grauen hatte sich am anderen Ende Der Stadt abgespielt, hier oben hatte ich nur gelitten und gehunget und gefressen und gekotzt und mich gefürchtet. Hier oben gibt es nur die Haltestelle zur Hölle, das Haus der Exbestenfreundin, die falsche Sicherheit des alten Jugendzimmers.

Ich falle durch die Jahre
ich skille, ich bin eine brave Patientin
ich will Tabletten schlucken, ich will weinen, ich will - .


Ich esse bis der Kühlschrank leer ist und der Bauch viel zu voll,
ich scrolle durch Instafitnessaccounts und hasse meine Verfressenheit,
ich gucke CdrB und schmuse das Fellmonster, oh du Liebe, du meine Liebe!
Ich gehe spazieren, im Wald bin ich furchtlos, die Kälte ist kathartisch, zurück in der Wohnung überfordert mich alles.

Eine meiner Klientinnen stirbt in diesen Tagen und es berührt mich, ich schmuse das Fm und alles tut weh.

Ich will normal sein und könnte heulen,
 - versuchen Sie es mal mit dem Wort "weinen" - 
ich rieche ungeduscht und bäh.


Ich falle durch die Jahre, mein jüngeres Ich sitzt neben mir und ich finde sie so abstoßend und - oh, die Flashbacks, dabei waren da doch gar keine Trigger.

Alles tut so weh.



***
Ich treffe eine Bekannte, das Fellmonster ist dabei und sie behandelt es, als hätte ich einen Baumstamm mitgenommen und ich bin empört, lasse mir nichts anmerken, wie kann man diesen Hund nicht lieben?


Der Mann wird krank und schnarcht, ich wandere nachts aufs Sofa, wo das Fm liegt und wir teilen uns den schmalen Platz, bis es aufsteht und zum Mann ins Bett klettert.

Irgendwie ist alles verschoben.

Ich wache auf und die Angst ist so kalt und das Herz so flattrig und nach Tagen der Anstrengung endlich auch Tränen der Erschöpfung, nicht, dass ich weine (bis jetzt jedenfalls).
Die Bilder, die doch keine Trigger sind -  "und guck da, eine Traditionskonditorei, meine Oma traf dort stets ihre Damen (=Freundinnen), und hier die Wohnhäuser der Bediensteten des Stadtadels und dort geht es zur Fußgängerzone - ", der Schmerz, die Jahre.







6 Kommentare:

  1. <3 nur ein kleines Zeichen für Mitgefühl, falls du das magst.

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  2. Ach meine Liebe, lass dich mal in den Arm nehmen und sanft drücken. Das klingt nach so furchtbar viel und ich wünsche dir eine Pause von alldem.
    Ich glaube, dass Weihnachten zumindest für mich auch deshalb so schwierig ist, weil es tagelang um Liebe und Zuneigung geht, und wenngleich wir heute Menschen haben mögen, die uns das entgegenbringen, so wissen du und ich ja vom Fass ohne Boden... und das tut wehwehweh. So einfach, so brutal.
    <3

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  3. PS: Kein Verständnis für Menschen, die das FM nicht lieben! :O

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  4. Liebe Anima, Weihnachten ist immer eine Ausnahmesituation, im Guten wie im Schlechten. Ich schließe mich Anna an und wünsche Dir Erholung und einen ruhigen Januar. Liebe Grüße, Pirandîl

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  5. Weihnachten ist immet wieder schwierig. Ich weiss...
    Denk an dich!

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  6. Ach du...Fühl dich gedrückt, wenn du magst.
    Du hast es ins neue Jahr geschafft und sie und wir und überhaupt. Das zählt. ♥

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