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Sonntag, 17. Mai 2015

Outing

Wir haben Freunde, die nichts von meiner Vergangenheit wissen. Dazu ist der Kontakt zu frisch, zu unvertraut. Ich wollte das so. Man sieht mir nicht mehr an, dass ich jahrelang so stark krank war. Aber man kann es bemerken. Ich habe nach wie vor Schwierigkeiten mit dem Essen. Dinge, die ich gut essen kann, Zeiten, zu denen es mir gut gelingt, Zeiten die schwieriger sind, Dinge, die ich nicht esse. Gerade Spontanität ist oft eine Hürde. Für mich ist das okay. Mir fehlt nichts, wenn ich nicht mit den Anderen abends um zehn noch beim Thailänder etwas esse, sondern nur was trinke und hinterher ein Dessert nehme. Ich gebe mir Mühe, nicht zu zeigen, dass etwas anders ist. Ich esse wenig, wenn wir eingeladen sind, langsam, aber ich esse.
Jedenfalls, da ich auch körperlich wie das verblühte Leben aussehe*rofl*, dachte ich, dass es nicht auffällt. Oder nicht sehr.
Gestern war Er mit ihnen abends weg, ich hatte Migräne und keine Lust. Wollte meine Ruhe und das war okay.
Dann, heute morgen, erzählte er mir, dass sie gefragt hätten, was das sei ... mit mir und dem Essen. Ob ich schwer krank sei. Körperlich. Oder ... sie seien unsicher, wie sie damit umgehen sollten.
Für beide ist essen ein GROßES Thema, im positiven Sinn. Beide schlank, essen und kochen gerne. Gerne auch mit Freunden/Bekannten, Einladungen, ausgehen, Festivals, Kochsessions.
Alles, was ich auch mag. - Nicht.
Essen = Stress.
Hochstress.
Nervfaktor im Quadrat.
Ja, es ist nach wie vor gestört. Unnormal. Nicht flexibel. Nicht gechillt. Nicht gesund.
Aber - es ist mir egal. Vielleicht nimmt es mir Lebensqualität, ich empfinde es nicht so! Vielleicht ist das alles die ES, die mir das einredet, aber im Ernst: es ist okay für mich wie es ist.
Ich meine - mein Körper ist sehr davon entfernt, so zu sein, wie ich ihn gerne hätte! Das muss ich auch akzeptieren, irgendwie. Dann habe ich auch das Recht dass mein Essverhalten genauso unperfekt ist!
End of speech.
Ach, ich bin genervt! Ich muss ja irgendetwas sagen.
Stoffwechselstörung.
Intermittierendes Fasten.
Raw-till-4.
Allergie.
Unverträglichkeit.
Diät.
Überwundene Magersucht (da kommt hinzu: MAGERsucht - wtf? Ja, ich weiss. Mit dem BMI  KANN niemand magersüchtig sein. Kopfkino)
Ich glaube, ich wandere aus.

4 Kommentare:

  1. Liebe Anima,
    klar, es ist gut, gibt es keine Gebrauchsanweisung, auch wenn es so manchmal leichter wäre.
    Das dauert gar nicht lange, ich nehm einfach den schnelltrocknenden von essence:)
    Du hast das mit den Veränderungen sehr schön formuliert. So fühlt es sich in etwa an. Aber weisst du was? Ich freu mich gerade irgendwie auf meine Zukunft, den Sommer, Ferien, meinen ersten Arbeitstag.

    Ich weiss nicht. Hast du schon mal dran gedacht, es mit der Wahrheit zu versuchen? Ich habe im Kopf, dass du mal was von 18 Jahren Bulimie geschrieben hast. Du bist doch so unglaublich weit gekommen! Da darfst du ruhig dazu stehen, dass das mal so war, und heute eben fast gut ist.
    Ich mag Krebsvergleiche eigentlich nicht. Aber Folgeschäden/Probleme einer Chemo würdest du ja auch als solche benennen.
    Du musst dich nicht schämen für deine Krankheit!
    Wenn es richtige Freunde sind, werden sie es verstehen/respektieren!
    Einen schönen Tag dir,
    Emilia

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  2. Hey,

    danke für den Kommi. Ja, es ist wahnsinnig anstrengend, alles. Ich hab keine Lust mehr :/ macht echt keinen Spaß. Ich (Liv) war das mit den Armen, ja, das erste mal, dass ich sowas gemacht hab. Riesen-Anschiss von Ferdinand bekommen. Ist halt schlecht, wenn der Anteil, der dafür zuständig ist, alles am Laufen zu halten, versucht, sich umzubringen... :(

    Ja, das finde ich auch. Das Team geht mittlerweile echt gut damit um, wir fühlen uns akzeptiert und wahrgenommen, als das, was wir sind - eine Gruppe von Personen.

    Oje, diese ganzen Gedanken mit dem Essen... tut mir leid, dass du dich damit immer noch rumschlagen musst.
    Auswandern klingt gut, das Problem ist aber glaub ich, dass man aus sich selbst nicht auswandern kann, oder?

    Ganz liebe Grüße,
    Liv

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  3. Meiner Meinung nach sollte entscheidend sein, dass du klar kommst und dich möglichst gut fühlst.
    Und wenn das alles okay für dich ist, solltest du dich nicht unbedingt verbiegen, um in das neue Korsett "Ich werde so wie die Anderen" statt "Ich werde hungern" zwängen.

    Sonst: "Ich hatte Probleme mit dem Essen" sagt alles und nichts aus.
    Wäre das eine Option? (Ich erinnere mich an eine gemeinsame Bekannte, die in der Arbeit gefragt wurde, wie man eine so schlanke Figur bekommt - ihre Antwort "Anorexie".)
    Klar ist das extrem mutig und nicht unbedingt etwas für jeden, aber erste Antwort sehe ich als machbar an.

    LG und einen besonders schönen Tag heute

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  4. Liebe Anima,
    zunächst einmal ist es für mich erstaunlich und rührend, dass euren Bekannten, obgleich der Kontakt noch relativ frisch, so etwas aufgefallen ist. Eine Essstörung ist meiner Meinung auch nichts, für das man sich schämen muss oder über das man nicht sprechen darf. Dennoch: Du MUSST nichts sagen. Gar nichts. Wenn du nicht sicher bist, wie weit du dich öffnen möchtest, sowieso nicht.
    Alles Liebe,
    Anna.

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