Donnerstag, 2. Juli 2015
Respekt
Ich habe kürzlich ein Buch gelesen, das aus einem französischen Blog entstanden ist. Ein junger Mediziner beschreibt sein Leben als Assistenzarzt. Mit viel Humor und Wärme tut er das, bisweilen auch mit etwas Ärger oder Staunen. Und Demut. Das klingt kitschig, ist es aber nie - diese Demut vor dem Leben und dem Sterben.
Ich mußte beim Lesen an dich denken. Früher dachte ich bei allem, was mit Medizin oder Ärzten zu tun hat an meinen Vater. Meinen sanftmütigen, liebevollen Vater.
Heute denke ich zuerst an dich.
Bist du auch sanftmütig und liebevoll mit deinen Patienten? Oder wenigstens respektvoll?
Ich vermute es, denn du hast mir einmal gesagt, dass Ärztin sein dein großer Wunsch ist und es dich glücklich macht.
Bzw. du hast es geschrieben, in einer der wenigen Antwortmails, die du mir je geschickt hast. Denn gesprochen hast du schon damals kaum mit mir (ich werte jetzt Hallo/Tschüß mal nicht als Gespräch).
Die Wahrheit ist - ich bin dir vollkommen egal.
Mit einer Ausnahme: Wenn es die Herzensmenschen betrifft. Jene Menschen, die uns beiden am Herzen liegen. Dann schleuderst du mir wie früher deinen selbstgerechten Hass entgegen:
"Siehst du nicht wie sie wegen dir leiden? Wie sie daran kaputt gehen? Ist es das was du willst, dass dein Umfeld an deiner Krankheit kaputt geht?!"
Dir ist es egal, wenn auch ich leide. Oder warum. Oder dass. Solange ich es nur still für mich tue.
Ich habe mich oft gefragt, warum du Ärztin geworden bist. Es gibt viele mögliche Erklärungen.
Und ich frage mich, wie du mich so dafür hassen kannst, dass ich so lange krank war. Wie du das so gar nicht verstehen kannst. Wie es dir so egal sein konnte, sein kann, ob ich lebe oder sterbe.
Manchmal stelle ich mir vor, dass eine junge Frau eines Tages auf deine Station kommt. Eine sehr dünne, sehr hungrige, sehr traurige junge Frau. Die dennoch das Funkeln der Rebellion in den müden Augen trägt, einer Rebellion gegen das Leben und diejenigen, die ihres retten möchten.
Wirst du sanftmütig und liebevoll sein?
Oder wenigstens - respektvoll?
Ich hatte nie deinen Respekt. Oder deine Liebe.
Wenn ich verbittert bin und das bin ich bisweilen, frage ich mich, wieso du ausgerechnet Ärztin geworden bist.
Aber die Wahrheit ist: Du bist wahrscheinlich eine gute.
Und das ist das Traurigste an der ganzen Sache.
Du fehlst mir.
Nach all der Zeit und all den Jahren.
Tut es weh
und weh
und
weh.
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:( oh liebes... ich weiß zwar nicht um wen oder was es genau geht aber ich glaube ich kann mit dir fühlen.
AntwortenLöschenein großes herz zurück!
Liebe Anima,
AntwortenLöschenmanchmal bedeutet "ein guter Arzt sein" nicht dasselbe wie "ein guter Mensch sein". Hätte ich die Wahl, ich wüsste, wofür ich mich entscheiden würde....
Trotzdem.
Tut es weh.
Ich umarme dich.
"Manchmal stelle ich mir vor, dass eine junge Frau eines Tages auf deine Station kommt. Eine sehr dünne, sehr hungrige, sehr traurige junge Frau. Die dennoch das Funkeln der Rebellion in den müden Augen trägt, einer Rebellion gegen das Leben und diejenigen, die ihres retten möchten.
AntwortenLöschenWirst du sanftmütig und liebevoll sein?
Oder wenigstens - respektvoll?"
Oder wirst du mich in ihr erkennen und wirst du mit ihr so sprechen, wie du mit mir sprachst? Wirst du sie ernst nehmen, und noch viel wichtiger: Wirst du versuchen, sie zu retten?
Genau dieselben Fragen. Genau dieselbe Situation. Ich verstehe diesen Post auf so tiefe Weise, dass es schon unheimlich ist.
Fühl dich umarmt.
Mein Blog informiert mich, dass du schon eingeladen bist - hast du versucht, auf meinen Blog zuzugreifen, ob es nicht schon geht? :(
LöschenGenau kann ich gar nicht sagen, ob ich das Thema "Ärzte in Kliniken" oder das "Vegehen alter Freundschaften" aufgreifen möchte. Mir fallen so viele Kleinigkeiten ein, die mich an diesem Text berühren, doch weiß ich nicht, ob Schmerz in dieser Form geteilt werden kann, oder sich lediglich addiert.
AntwortenLöschenVerstehen kann ich dich. Hoffen kann ich für dich, für sie - für ihre womöglichen Zukunfts-Patienten mit ähnlichen Störung. Lass es jedoch bitte nicht deine Sorge sein wie sie andere Menschen behandelt. Sie hat dieses Fach studiert, sie bekommt Geld für dessen Ausübung und du sagst es selbst: Eigentlich ist sie ja eine Gute. Vertrau einfach darauf, dass sie professionell agiert - auch wenn sie es bei dir aus unerfindlichen Gründen nicht konnte.
Vergangenheit tut weh. Diese schrecklichen Qualen kenne ich selbst zu genug. Doch auch ihr Gesicht muss dort hingerückt werden, genau dort: In die Vergangenheit.
Außerdem... man muss ja beide Seiten sehen: Nicht immer sind Patienten dankbar für eine liebevolle Behandlung. Das nur sehr allgemein.
Bitte bleibe stark.
Liebe Grüße
Emaschi
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenLiebe Anima,
AntwortenLöschenda ich manchmal (vermeintlich) egoistische Gedanken haben, die mir hinterher Leid tun, habe ich tatsächlich die meiste Angst um mich. Davor, dass sich die ganze Geschichte wiederholt. Vor dieser sklavischen Unterwerfung, dem Fehlen einer Kommunikation auf Augenhöhe. Ich weiß nicht, ob das logisch oder nachvollziehbar klingt für Menschen, die keine Erfahrungen mit Missbrauchsbeziehungen gemacht haben, aber ich habe Angst vor mir selbst - davor, nicht rechtzeitig die Reißleine ziehen zu können, wenn ich merke, dass sich die Beziehung in eine Richtung entwickelt, die mir nicht gut tut.
"Viel" bin ich - in jeder Hinsicht. Und das ist in Ordnung - meistens.
Eine liebe Umarmung sende ich dir,
Anna.
Danke für's Verstehen <3 Das bedeutet SO viel.
AntwortenLöschenHabe korrigiert - besser so? :)
Drücker!
Hey, wie heißt denn das Buch? Was du schreibst klingt traurig, da hört man viel Schmerz... ich schieb mal ein Pflaster für dein Herz rüber und sing ne Runde Heile Segen, ich weiß nicht, was ich sonst tun kann für dich... :(
AntwortenLöschenBisher war das auch immer mein Eindruck, wenn sich Klinikpärchen gefunden haben... man klammert sich aneinander, lenkt sich ab, beschäftigt sich lieber mit dem anderen, als mit seinem eigenen Müll... aber es ist komisch, mit Marako ist das irgendwie anders, da ist so viel Gefühl da. Ich hatte schon drei Beziehungen und zwei beziehungsmäßige Sachen und nur einmal war da ein aufgeregtes Kribbeln im Bauch, bei Kai, und nur einmal hatte ich eine tiefe, "vernünftige" Liebe, bei Matthias. Aber ich hatte das nie beides gleichzeitig bei der selben Person. Aber jetzt schon =)
Von der WG gibts nicht allzuviel zu erzählen, wir sind vier Mädels und ein Kerl, und die sind alle sehr zurückgezogen ich hab eigentlich mit niemandem mal ein Gespräch gehabt das länger ging als drei Minuten... die Wohnung ist einigermaßen sauber, nicht wie geleckt aber für mich gehts... mein Zimmer ist recht klein aber dafür hab ich nen direkten Zugang zum Balkon.
Das Hauptbüro, wo die Betreuer sind ist einen Stock drüber, Mittagessen krieg ich immer dort, in WG1, das ist auch ganz gut, weil mit dem Essen bei mir nicht gut läuft. So krieg ich wenigstens einmal am Tag eine normale Mahlzeit zustande.
Meine Bezugsperson finde ich bisher ganz nett...
Ich wünsch dir ein schönes Wochenende und denk dran viiiiiiel zu trinken!!^^
Lg, Liv