Ich
hatte ein paar sehr schwere Tage. Vielleicht auch einige mehr als
„ein paar“. Ich habe ja bereits einmal geschrieben, dass eines
der größten Probleme für mich in meiner Esssstörung der
Bewegungszwang war. Und eben dieser Druck war in letzter Zeit überaus
präsent. Ich zerpflückte mein Training gedanklich und es erschien
mir stets zu wenig intensiv, die einzelnen Übungen mit zu wenig Wh
ausgeführt oder zuviel Pausen zwischendurch. Und dann die sogenannte
Alltagsbewegung – wenn ich bei der Arbeit für mehrere Stunden
sitzen sollte, wurde ich unruhig, nervös und unkonzentriert. Ich
versuchte, mehr Spaziergänge einzubauen und generell mehr
„Aktivität“. Das alles führte dazu, dass meine Tage nicht mehr
waren, als ein „Überleben“, ein Durchstehen der Stunden, bis es
– endlich – Abend war. Im Grunde hasste ich alle Zeit zwischen
morgen und Abend. Mein Freund arbeitet womöglich noch mehr als
sonst, dh er ist fast nie da. Außer eben abends. Ich dagegen arbeite
momentan reduziert und sehe mich mit viel Leerlauf konfrontiert. Eine
Herausforderung, mit der ich noch nie gut umgehen konnte. Letztlich
schwankte ich die letzte Zeit zwischen Tagen mit 101% Aktivität und
solchen, an denen ich depressiv im Bett lag und meinen Bedarf nahm,
um nur zu schlafen.
Es
waren keine ganz furchtbaren Tage, ich hatte keine Fas, habe nicht
gehungert, nicht erbrochen. Die Qual spielte sich vor allem im Kopf
ab.
Gestern
dann dachte ich darüber nach, dass ich mich im Grunde ein ganzes
Stück jünger fühle als ich bin. Und wie traurig es ist, dass ich
so viele Jahre mit so wahnsinnig wenig Lebensqualität gelebt habe.
Und dass ich immer älter werde, egal, wie ich mich fühle.
Und
dass ich meine Tage mit Leben füllen möchte – nicht mit
überleben.
Die
Herausforderung für mich wird also darin bestehen, ruhiger und
achtsamer meine Tage zu er-leben.
Es
kribbelt. Der Bewegungszwang. Ich blicke auf die Uhr: Du könntest
noch schnell....
Und
bleibe sitzen. Erledige Schreibkram und freue mich auf den Abend mit
meinem Freund.
Es
kribbelt.
Gewöhnung.
Angstkonfrontation. Eigentherapie.
Wobei ich immer noch sehr aktiv bin. Ich stehe, gehe viel, bin unterwegs etc. Zur Ruhe kommen ist schwer.
Ich habe gerade nicht viele Worte, aber wenn du magst, dann lasse ich dir eine sanfte Umarmung da.
AntwortenLöschenAlles Liebe,
Alaska
hallo anima,
AntwortenLöschendein text hat mich irgendwie berührt. das spricht nach ganz viel stärke, dieser letzte absatz. ich finde es schön, dass du den willen noch immer hast, unbedingt leben zu wollen, nicht nur zu überleben. ich denke, bzw ich bin mir ganz sicher, dass das ein unglaublich wichtiger schritt ist.
ich wünsche dir alles alles gute!
josi