Gestern war ich plötzlich so wütend auf dich!
Keine Ahnung, woher diese Wut kam, vielleicht durch die Kommentare hier, besonders durch Annas Traum.
Ich war so wütend auf deine verdammte
Selbstsucht!
Denn dir ging und geht es immer nur um DICH, DU stehst im Mittelpunkt. Wie sehr DU all die Jahre gelitten hast (und ich bin daran schuld!). Wie viel DU zurückstecken und entbehren musstest, wie schlecht es DIR deswegen ging, weil DU weniger Beachtung bekamst!
"Weißt du, wie es sich anfühlt, mit 12 (13, 14, 15, 16....) dasunddas mitkriegen zu müssen? Weißt du, wie es ist mit 12 (13, 14, 15, 16....) dasunddas nicht zu bekommen?"
Und DU?
Weißt DU, wie es ist mit 16 (17, 18, 19, 20...) immer und immer wieder in Krankenhäusern und Kliniken zu sein?? Wie es ist, so einsam zu sein, dass die Essstörung eine liebevolle Freundin scheint?? Wie es ist, eine Hölle in sich zu tragen, die verlangt, dass man sich die Arme zerschneidet und mit in Flammen gesetzten Buntstiften die Haut verbrennt? Wie es ist, sich so sehr zu hassen, dass man sterben möchte und stundenlang nach der richtigen Methode sucht? Wie es ist, zwischen Flashbacks und Intrusionen herumzutaumeln und durch die Jahre zu fallen?
Nein.
Das weißt du nicht.
Und ich glaube, dass du dich das in den 32 Jahren deines Lebens kein einziges Mal gefragt hast.
Erinnerst du dich an den einen Besucht in Roseneck, als ich das erste mal dort war? Wir spielten Minigolf, ich war so angespannt, dass ich, als etwas schief lief, mit dem Schläger auf den Boden drosch. Du hast mich angebrüllt, ich soll den Schläger in Ruhe lassen und stattdessen mich selber schlagen.
Auf meinen Armen waren frische Schnitte und in deinem Gesicht pure Abscheu.
Ich rannte zurück in die Klinik und eine Mitpatientin weinte die Tränen, die mir im Hals stecken blieben. Als wir uns später wieder trafen, fragtest du: "Na, hast du dich bei deinen Psycho-Freunden ausgeheult? Denn mit dir will ja niemand befreundet sein, der psychisch normal ist."
Du wolltest mir damit wehtun und das hast du auch geschafft. Wahrscheinlich war es also besser, dass du mich nur noch ein einziges weiteres Mal jemals in einer Klinik besucht hast.
Das war zu dem Therapiegespräch, von dem meine Therapeutin glaubte, es sei eine so gute Idee.
Du kamst, aber sagtest kein einziges Wort. Erst als sie dich direkt ansprach. Da zucktest du nur die Achseln und erklärtest, dass du eben zuerst die Essstörung gehasst hättest und irgendwann einfach mich.
Du bist egoistisch.
Du bist gemein.
Du bist rücksichtslos.
Du bist unempathisch.
Du bist kaltherzig.
Du bist
nicht
der
Mensch,
den
ich
gebraucht
hätte.
JA!
AntwortenLöschenJa, liebe Anima, du darfst wütend auf N. sein. Es ist so, so, SO gut, dass du jetzt wütend sein kannst. Du warst bisher viel zu selten wütend auf sie bzw. auf ihr Verhalten, kann das sein? In deinen Beschreibungen klingt zwar immer noch eine (absolut verständliche und wichtige) Traurigkeit mit, aber auch ein gerechter Zorn. Ein Zorn auf sie, die dir nie das war, was sie dir hätte sein können, was sie hätte sein sollen. "Wut" und "Mut" sehen sich nicht umsonst so ähnlich.
Ich schicke dir eine Umarmung, Kriegerin.
Liebe Anima,
AntwortenLöschenich glaube, der Kommentar kam nicht an?
Die Wut eröffnet dir vielleicht neue Möglichkeiten und Wege, mit der Beziehung zu ihr umzugehen. Lass sie raus. Es kann so viel helfen!
Du bist so stark und tapfer. Und toll. Vergiss das nicht!
Emilia