der Alptraum endet nicht, wenn mich das Morgenlicht aufweckt. Die Panik steckt in jeder Faser meines verkrampften Körpers.
Ich habe solche Angst!
Diesen Satz, immer wiederholt, mehr denkt mein Gehirn nicht. Ich
versuche, diesem jüngeren Anteil zuzureden, doch er sieht mich nur mit
großen Augen an: Ich habe solche Angst! Ich finde keine Worte, mich zu beruhigen, das Überich löst sich auf, und ein wimmerndes Ich klammert sich an die warme Decke. Nicht aufstehen, nicht wach werden, weg, ich will weg, es ist nicht sicher, ich bin in Gefahr, ICH HABE SOLCHE ANGST!
Ich stehe auf, als er mich weckt, denke an meinen Einsatz heute Nachmittag. Ichkannnnicht! Bitte, bitte schick mich nicht dahin, nicht raus, ich kann nicht rausgehen! Große Augen, noch größere Angst.
Ich füttere den Körper, überfüttere ihn, weil Essen etwas ist, an dem
man sich festhalten kann. Mit meinem Kaffee setze ich mich aufs Sofa.
"Dann nimm bitte heute nachmittag die Rechnung mit zu XY, okay?"
Der junge Anteil schaut ihn und dann mich fassungslos an: Er will, dass ich arbeiten gehe? Aber ichkannnnichtnichtnicht, ich kann die Wohnung nicht verlassen, ich brauche den Bedarf, bitte - Ich atme ein und wieder aus.
"Du musst nicht gehen!", verspreche ich dem Anteil und spüre die Tränen
im Hals. Ich weiß nicht, wer von uns weint, die panische 14jährigeoder
die erwachsene Frau, die sich nicht vorstellen kann, vor die Tür zu
gehen.
Gleichzeitig das schlechte Gewissen: "Man verlässt sich auf dich!! Was,
wenn sie dann den Vertrag kündigen, weil du unzuverlässig bist? Dann
schadest du deinem Mann UND dir! Kannst du dich nicht endlich
zusammenreißen? Andere schaffen das doch auch. Er hat echt lange genug
auf dich Rücksicht genommen!"
Noch mehr Tränen im Innern, noch mehr Panik, der flehende Blick des
jungen Anteils, sein Wimmern, seine Panik. Das Chaos überwältigt mich,
es ist erst 8 Uhr und ich bin schon fertig mit dem Tag.
"Wenn das das Ergebnis ist, fahren wir nicht mehr zu deinen Eltern!" sagt er und guckt ärgerlich-besorgt.
Diese Stadt, dieser Ort, dieses Haus. Alles davon triggert, aber ich
möchte doch meine Eltern sehen! Sie haben nichts damit zu tun und es
sind so viele Jahre vergangen - Ich habe solche Angst.
Der Hals wird zusammengedrückt, jemand ist mir viel zu nah, ich rieche,
fühle seine Gegenwart, ich verliere mich und komme in einem anderen
Gebäude zu mir. Dunkle Gänge und lange Korridore, Stimmengewirr,
Menschen, die nicht sehen, nicht hinsehen, mich nicht sehen. Das Gesicht
so dicht an meinem, mein Verstand setzt aus.
Ich bin nichts, bin der letzte Dreck, bin schmutzig und eklig und widerlich und abstoßend, ich stinke, ich verfaule, ich bin rechtslos, denn Rechte haben nur richtige Menschen...er
steht vor mir, drückt mir eine Faust in den Magen und eine Hand
umklammert meinen Hals am Kehlkopf. Die Kleiderhaken drücken in meinen
Rücken und er hält mich so fest bis ich denke, das Bewusstsein zu
verlieren. Dann lässt er abrupt los und im selben Augenblick schreit die
Schulglocke. Der Ruck schleudert meinen Hinterkopf krachend gegen die
Holzvertäfelung der Wand, dann ist er fort und ich krümme mich auf die
Knie, Luft, atmen, Luft. Das Ganze hat vielleicht zwei Minuten gedauert,
zwei Minuten Ewigkeit. Ich stehe auf und gehe auf tauben Füßen zurück
ins Klassenzimmer, noch kein Lehrer ist da, der übliche Lärm, ich setze
mich an meinen Platz und lächle ins Leere, weil ich nicht weiß, was ich
sonst tun sollte.
Das Sofa ist tausend Jahre von ihm im Bad entfernt und ich kann nicht zu
ihm gehen, er kann nicht umgehen mit meinen Flashbacks und
Dissoziiationen, mein Kopf ist mit Watte gefüllt und tut weh, ich rufe
den Hund doch der ist zu faul um zu mir zu kommen und ich kann mich
nicht bewegen, mein Hals tut so weh und mein Kopf explodiert.
Ich bin da. Wenn du jemanden brauchst, der zuhört/liest...
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Emilia
Atme.
AntwortenLöschenImmer weiteratmen.
Ein und aus.
Jetzt ist Hier ist Jetzt ist Hier.
Und weiteratmen.
*festhalt*