Manchmal frage ich mich, wie es wäre, keine offensichtlichen Narben an den Armen zu haben. Und ich komme zu dem Schluß, dass es nichts ändern würde. Letztlich.
Es wäre schön, eine glatte Haut zu haben, besonders jetzt, wo die Sonne sie bräunt. Ich mag sonnengebräunte Haut (nicht zu verwechseln mit sonnenVERbrannter oder solariumgebrutzelter Haut....).
Die meisten Narben befinden sich auf meinem linken Arm, ich bin Rechtshänder. Rechts habe ich nur drei Narben, zwei Schnitte und eine Brantwunde. Dafür ließen sich Erklärungen finden wie:
"Ach, dummes Missgeschick, da habe ich mich beim Tauchen an einer Muschel/Koralle verletzt...."
Rechts geht das nicht. Dort sind kreuzundquer Spuren meines Selbsthasses, meiner Bestrafungen und meiner wortlosen Verzweiflung zu sehen. Ich wollte den Körper zerstören, mir schaden, Schmerz hervorrufen. anders als manche anderen, habe ich dabei Schmerz empfunden. Deshalb habe ich selten tief geschnitten oder irgendwie geordnet, sondern voller Wut, voller - Leidenschaft, voller angestauter Emotion die Haut zerstört mit allem, was so da war.
Ich weiss gar nicht, wann ich mich das letzte Mal selber verletzt habe - im Frühjahr 2013?
Meine vorrangige Selbstzerstörung war immer die Essstörung. Selbstverletzt habe ich mich dann, wenn alles trotzdem zu viel, zu über-wältigend war - oder wenn man versuchte, mir die Essstörung zu nehmen. Deshalb fiel es mir nicht so schwer, damit aufzuhören. Und, ganz ehrlich - ich tat es auch deshalb, weil ich die Narben störend und hässlich finde.
Und dennoch schäme ich mich nicht für sie.
Ich trage ärmellose Topps, wann immer ich Lust dazu habe.
Und ich tue es nicht, um zu provozieren, oder weil ich besonders mutig bin. Ich tue es, weil - weil diese Narben nicht (so) wichtig sind. Sie sind da, es wäre schön, wenn sie nicht da wären und manchmal machen sie mich traurig. Weil sie meine Geschichte erzählen, eine Geschichte von Gewalt, von Angst, vom speechless terror, von unendlicher Einsamkeit, von großem Kummer, von verlorenen Jahren, von Verzweiflung und Hilflosigkeit.
Und dann vergesse ich wieder, dass sie da sind - nein, ich vergesse es nicht. Aber ich nehme es an.
Alles Liebe.
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