Heute geht die Wissenschaft viel in Richtung Genetik und Neurologie/Neurobiologie.
Es gibt Ansätze, die davon ausgehen, dass ein unterernährtes Gehirn nicht die richtgen Entscheidungen treffen kann und sich deshalb ein Betroffener auch nicht fürs Gesundwerden entscheiden kann.
Was schwierig ist für viele Therapiemethoden, die auf Freiwilligkeit und Motivation und Selbstbestimmung setzen. Die meisten Kliniken arbeiten letztlich so, natürlich mit Unterstützung, natürlich mit zT strengen Vorgaben wie Esspläne etc.
Aber nur in wirklichen Ausnahme-/Notfällen wird mit absolutem Zwang gearbeitet.
Weil Zwang häufig nicht zielführend ist und nach einer Zwangshospitalisierung oft erneut ein Rückfall erfolgt.
Meine Meinung, meine Erfahrung nach mehr als einem halben Leben schwerer Magersucht und Bulimie, nach vielen unterschiedlichen Kliniken?
Untergewicht verursacht ein verändertes Denken, Empfinden, Wollen, Nichtwollen.
Unterernährung begünstigt Zwänge und Ängste.
Bei sehr starkem UG
Im starken UG würde ich eine Art Auffütterung auch aus medizinischer Sicht empfehlen.
Und was kommt dann?
Was ist mit dem freien Willen?
Gibt es ihn tatsächlich nicht aufgrund von Gehirnveränderungen?
Nein. Das ist mir zu simpel.
Ich war länger krank als manche von euch hier auf der Welt sind.
Wollt ihr wissen, was dazu geführt hat, dass ich von einem Tag auf den anderen aufhörte, zu erbrechen, vernünftig aß und die Laufsucht aufgab?
Radikal?
Ich hatte einen langen Text im Kopf, aber ich glaube, ich lasse es kurz sein :-)
Im Frühjahr 2013 war meine Beziehung maximal belastet. Zu den Jahren großer Ängste, Sorgen und Ärger wegen meinen Essstörungen, kam eine berufliche Veränderung, die meinen Partner sehr forderte.
Und eines Tages, an dem ich allen guten Vorsätzen zum Trotz, wieder gefressen und gekotzt hatte, sagte er mir, er wissenicht, ob wir so eine zukunft hätten.
Das erschreckte mich entsetzlich. Er war immer mein Fels in der Brandung gewesen, war immer für mich da, hatte mich durch die schlimmsten Zeiten begleitet, hatte mir immer Liebe, Verständnis, Geduld, Nachsicht, Fürsorge entgegen gebracht. Nie hatte ich an seiner Liebe gezweifelt.
Ich bekam Angst wie vielleicht noch nie.
Und eines wurde mir vollkommen klar: Ohne ihn hätte mein Leben für mich kaum noch Wert. Er ist der wichtigste Mensch auf der Welt für mich. Und lieber wiege ich 60kg und habe ihn an meiner Seite, als ich wiege 35kg und er ist weg.
Also hörte ich auf. Ich versuchte es nicht zum Xten mal mit "Ich mache mir einen gesunden Essplan und nehme zu bis BMI 18, dazu moderater Sport".
Ich sprang.
Es fühlte sich an wie Ausgeliefertsein. Keine Kontrolle, kein Methadon - kalter Entzug.
Ich kannte meine Ängste und Zwänge selbst am besten, ich konnte sie auch stoppen. Manches von Tag 1 an, manches im Laufe der Zeit.
Ich bin nicht mehr magersüchtig. Nach so vielen Jahren hat mein Körper, habe ich ein gesundes Gewicht.
Ich bin nicht mehr bulimisch.
Ich habe den Laufzwang völlig überwunden.
Ich bin nicht mehr depressiv.
Ich bin nicht in Therapie.
2014 war ich noch einmal stationär - jedoch wegen der PTBS, nicht wegen der Essstörung.
Manche von euch sagen jetzt vielleicht: Ohje, das klingt aber nach extremer abhängigkeit/Fixierung, man muss doch für sich und nicht für Andere gesund werden!
Dazu denke ich:
Liebe bindet uns. Das ist das Wesen der Liebe, darum funktioniert es auch nicht, jemanden mit dem Kopf lieben oder entlieben zu wollen, nur weil es vernünftig wäre.Ich fühle mich nicht abhängig. Ich fühle mich geborgen.
Und:
Natürlich tue ich das alles für mich! Mit ihm zu leben ist mein ganzes Glück! Also: rein egoistische Motive :-)
Ja, ich möchte es wissen!
AntwortenLöschenJa.
AntwortenLöschenLiebe Emilia,
AntwortenLöschenich habe gestern gesehen, dass du deinen Blog gelöscht hast. Ich hoffe, dir geht es gut.
Auf der Website der ARD habe ich kürzlich ein Interview mit Taylor Swift gesehen, da musste ich an dich denken. Ich hoffe, du hattest viel Spaß beim Konzert!
Ich wünsche dir alles Gute, falls wir uns nicht mehr lesen :)
Liebe Anima
ich hoffe, es ist okay, dass ich hier den Kommentar an Emilia schreibe. Hätte sie hier nicht geschrieben, hätte ich dich nach ihr gefragt.
Bei mir war es wohl die entweder-oder-Situation, das entweder Klinik oder Essen und dabei das klare Wissen, dass ich Klinik auf keinen Fall will. Das zusammen mit dem Ehrgeiz, Dinge allein zu schaffen.
Wenn ich mich nicht aktiv und selbst dafür entschieden hätte, wäre das eher nichts geworden.
Solche Entscheidung treffe ich ja jeden Tag. Wann stehe ich auf? Wann frühstücke ich, und, was? Lerne ich in der Bibliothek oder zuhause? und so weiter ... Ich mag es mittlerweile sehr, dass ich fast alles in meinem Leben aktiv gestalten kann, und dafür sorgen kann, dass es mir gut geht, alleine dadurch wie ich mich entscheide.
Liebe Grüße an euch beide!
Elena
Anima,
AntwortenLöschenich bin ganz ganz schrecklich in Kommentare beantworten ._. Aber ich starte jetzt mal mit Nummer 1 ... von vor einer gefühlten Ewigkeit.
Okay, also ... du hast gesagt "Bitte korrigier mich". Ich bringe dich mal auf den neuesten Stand, das ist netter als "korrigieren".
Ja, ich würde gerne den Körper weghungern. Aber ich tu's nicht. Ich faste auch nicht mehr. Im Moment muss ich eher aufpassen, nicht dauernd zu fressen. Und ja, das will ich unbedingt loswerden ._.
Ja, ich möchte mich zerstören. Aber auch das tue ich nicht. Sport war übrigens nie Mittel der Zerstörung, es hat mir geholfen, wenn Flashbacks drohten (funktioniert leider nicht mehr :/)
Ich habe übrigens einiges geändert (zum Beispiel eben dass ich nicht mehr faste) und viel ausprobiert, bisher aber nicht wirklich erfolgreich.
Im Moment rede ich über andere Dinge ... ich glaube, ich taste mich einfach langsamer vorwärts, als alles in einem Ruck runter zu rasseln ...
Ja, ich denke, es ist schlichtweg so, dass das Thema DIS sehr weit gefächert ist und in den unterschiedlichsten Formen auftreten kann. Ich lasse mir bestimmt nichts suggerieren, zumindest versuche ich das. Aber ich merke schon ... dass da etwas ist. Erstmal möchte ich mir selbst im klaren darüber werden, was es ist.
Danke für den Text. Ich hab ihn heute morgen auf dem Weg zur Therapie gelesen und kam da dann ganz verheult an.
Es ist schön, dass du einen Menschen hast, der dich heilt. Ich wünsche mir für mein Leben auch einen solchen Menschen (und das versuche ich jetzt zu sagen ohne mich dabei schlecht zu fühlen).
Ja, ich wüsste zu gerne, was es war.
Aber was ich auch gern wüsste ... was dir passiert ist, dass du diese "Auswege" wählen musstest ... aber das gibst du nicht preis, oder?
Pass auf dich auf.
Deine Lovely