Leben
und Atmen tut gerade sehr weh.
Eine
Weile gelang es mir, eine innere Mauer zu errichten. Mehr Arbeit,
neue Einsätze und der Alltag wurden zum Zement, mit dem ich
Nichtdarandenken, Wegdrängen und Temporäresvergessen
aneinander spachtelte, so lang und so hoch, bis ich mich dahinter
verstecken konnte.
Doch
die Zeit, die Verräterin, reißt alles ein, zerquetscht Minuten zu
Stunden und Stunden zu Tagen.
Vier
bleiben noch ab heute.
Mein Herz ist so
schwer, dass ich (bitterer Magersuchtshumor) ein paar BMI-Punkte
hinzufügen müsste.
Mein Herz ist so
schwer, dass ich mich über jeden Schritt, den ich gehen kann,
wundere. Wer hat die Schwerkraft ausgehebelt?
Manchmal platzt mein
Herz auch einfach auf wie ein mit Wasser gefüllter Ballon. Dann wird
der Körper von einem Sturm geschüttelt, bis er sich auf dem Boden
krümmt, wo das Fellmonster ihn findet, die Nase zwischen Schulter
und Kinn drückt und das Salz fort leckt.
Und daneben steht
meine Seele, bleich und nackt in der Zeit wie in einem
Schmelzwasserbach, der den Winter ins Tal spült. Und ich wünschte,
der Fluss der Zeit wäre kalt genug, so dass ich nichts mehr fühlen
müsste.
Stattdessen tut
sogar das Atmen weh, jedes Ein und jedes Aus. Und ich denke, dass ich
es vielleicht bleiben lassen sollte.
Liebe
Frau Anima,
Ihr
Herz ist mit und ohne Atmen schwer, da können Tränen, auch wenn es
viele und viele sind, durchaus helfen.Gehen Sie in Gedanken in mein Zimmer, nehmen Sie meine Decke um die Schultern und lassen Sie sich schluchzen. In Ihrer Imagination sitze ich Ihnen gegenüber und bin einfach da. Das bin ich so aus der Ferne auch.
Diese Zeilen schrieb mir gestern meine frühere Kliniktherapeutin in
einer Mail.
Ich darf mich bei ihr melden, wenn die Tage bunt und das Leben gut zu
mir ist. Aber auch, wenn ich nicht weiß, wie ich im Gewitter
bestehen soll.
Und ich kann sie sehen, mir gegenüber sitzend, der Blick so voller
Wärme und Ichbinda, dass es weh tut und tröstet zugleich.
Und ich nehme meine Traurigkeit in beide Hände und stehe vom
Fußboden auf, ich sage mir selbst: Du darfst weinen. Es tut weh,
das ist in Ordnung.
Noch vier Tage.
Vielleicht tut es danach weniger weh.
Vielleicht weht es danach noch genauso sehr.
Mein Herz, so schwer.
(Ich möchte nicht mehr dazu schreiben, was in vier Tagen ist.)
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenLiebe Anima,
AntwortenLöschendanke für Deine Kommentare. Ich habe mir auch Deinen Link angesehen - ich lasse gerade beides mir durch den Kopf gehen... Egal was ich tue, ich mache etwas - ich will nicht mehr verharren. Es dauert viel zu lang und zu stark sind schon wieder die Magersuchtsdepressionen geworden.
Ganz gleich, was in 4 Tagen ansteht: Ganz viel Kraft dafür.
Liebe Grüße
Franzi
Liebe anima,
AntwortenLöschenIch wünsche dir, dass du die Woche gut überstehen kannst, egal was in 4 Tagen ist! Atme weiter, ich wenn es schwer ist. Herzen können leichter werden und schlechte Erinnerungstage oder Trigger kann man überstehen, vielleicht irgendwann ohne Ausweichen und Zurückdrängen.
Ich wünsche dir, dass du dich gut um dich kümmerst, wünsche dir warme Decken und heißen Kakao.
Ich denke an dich!
Elena