Wann ist ein Ereignis eine Tragödie?
Noch während ich heute Vormittag auf DLF die aktuellsten Meldungen
über den Absturz in Frankreich hörte und merkte, wie schockiert ich
war, wusste ich, dass es in den nächsten Tagen sicher auch
Wortmeldungen geben wird, wie viele Menschen tagtäglich auf der Welt
durch (Bürger)Krieg, Hunger, mangelnde medizinische Versorgung,
Krankheiten sterben. Es wird argumentiert werden, dass sich niemand
um all jene kümmert und dass die Toten dieses Flugzeugabsturzes
nicht schwerer wiegen (dürfen).
Mich macht das so müde.
Es gibt kein Maßstab für Leid, man kann nicht sagen: dasunddas ist
schlimmer als dasundas.
Leiden ist subjektiv.
Jeder Mensch, der gewaltsam zu Tode kommt, ist imo eine eigene
Tragödie.
In Afrika. In Deutschland. In der Ukraine. Im Gazastreifen. In
Frankreich.
Unfälle wie dieser erschrecken uns auch deshalb, weil sie uns die
eigene Sterblich- und Verletzlichkeit verdeutlichen. In Afrika,
denkt mancheiner, Gott, das ist so weit weg und da herrschen
ganz andere Zustände! Aber Frankreich, Germanwings, das ist so nah!
Ich finde es verständlich, so zu denken. Das meint nicht, dass es
nicht tragisch und schlimm ist, dass in Afrika und anderswo täglich
Menschen aus verschiedenen Ursachen ebenfalls sterben.
Als mein Freund nach Hause kam, sagte ich:
„Ich bin so schockiert. Du nicht?“
„Nein, eigentlich nicht.“
„Warum?“
„Flugzeuge stürzen ab. Das weiß jeder und das ist schlimm, aber
es schockiert mich nicht.“
„Naja, aber man denkt doch, GW ist sicherer
als.....Hottentotten-Airlines!“
Ich jedenfalls gucke mir die aktuelle Berichterstattung gerade an,
habe Kopfschmerzen und fühle mich generell nicht gut.
Ich, ja ich fühle mich erschreckt und schockiert.
Kein Tod wiegt schwerer als ein anderer.
Aber über 150 Menschen waren gerade noch lebendige Persönlichkeiten
-
und jetzt sind sie tot.
Das ist schlimm.
Ich wünschte, wer nichts Sinnvolles zu einer solchen Situation zu
sagen hat (Strafe Gottes, Verweis auf Afrika u.a.), möge einfach
schweigen.
Was mich viel mehr ärgert, ist der Versuch, durch diese Tragödie das Licht auf sich selbst zu richten. "Die Freundin der Tochter meines Onkels war vor vielen Jahren auch auf der Schule, von der jetzt die Schulklasse gestorben ist."
AntwortenLöschenOkay, ganz ehrlich: Juckt keinen. Seid ruhig.
Und ich finde, auch wenn täglich Menschen sterben, ist es doch ok, schockiert zu sein. Über die Sterblichkeit, die Nähe zu einem selbst, die Angehörigen, die jetzt Unfassbares durchmachen müssen.
(Ich bin grade mitten in der Mottowoche, also die letzte Woche vorm Abi, und die Stufe verkleidet sich jeden Tag & feiert in den Pausen mit Musik, vorhin haben wir beschlossen, morgen nicht zu feiern oder zumindest einmal der Verstorbenen zu gedenken und die Musik auszulassen, vielleicht eine Schweigeminute einzulegen. Es ist so schön zu sehen, dass 80 Leute sich einfach einig sind, dass es ok ist, zu schweigen. Und nicht von Afrika oder Gott zu reden. Einfach zu schweigen.)
DANKE!
AntwortenLöschenJa, sie sollen schweigen.
AntwortenLöschen