Ihr Guten da draußen!
Ich möchte diesen Blog nicht nur Krankheiten widmen.
Ich möchte das Leben einbinden.
Deshalb will ich künftig von Büchern berichten, die mir gefallen haben oder nicht.
Von guten Momenten.
Von Dankbarkeit.
Von Freunden.
Von der Liebe.
Und in jedem Post will ich eine kleine Information über mich verstecken. Mal sehen, ob ich letzteres schaffe (ohne hypernervösschnappatmend wegen Anonymität und so zu werden :-))
Fangen wir also mit Büchern an. Bücher sind wichtig. Ich bin in einem Bücherhaus aufgewachsen. Naja, zuerst in einer Bücherwohnung und als ich etwa zehn war, sind wir dann in ein Haus umgezogen. Dort gibt es, außer im Bad und im Klo, in jedem Raum Bücher. Im Wohnzimmer zwei Regale doppelt gestellt, von oben bis unten. In der Küche nur ein paar, Kochbücher. Im zweiten Wohnzimmer, im Schlafzimmer meiner Eltern, in meinem alten Zimmer, im alten Zimmer des Geschwisters, am Treppenaufgang im zweiten Stock, im Speicherzimmer - überall Regale voller Bücher. Ich glaube nicht, dass es eine bestimmte Ordnung gibt. Als ich jünger war, habe ich meine Bücher nach Verlagen sortiert und ich war ein bisschen zwangsneurotisch, was die Bücher betraf. Sie mussten immer aussehen wie neu, wie ungelesen. Ich bekam Tränenausbrüche, wenn ich ein Buch geschenkt bekam, das schon am Schnitt angestaubt war oder einen Knick hatte. In meinem Zimmer hatte ich 2,5 Regalbretter voll mit Büchern. Zu jedem Geburtstag und jedem Weihnachten, fertigte ich einen Zettel mit Buchwünschen an. Dazu besorgte ich mir die verschiedenen Buchkataloge und las sie wie andere "Bravo" oder "Mädchen" lasen. Die vielversprechenden Bücher kreuzte ich an. Außerdem ging ich mindestens drei mal in der Woche in die Stadtbibliothek und las mich quer durch die dortigen Regale. Meine engeren Freundinnen lasen auch. Ich glaube, Menschen, die nicht lesen, sind mir unheimlich bis heute. Ich mag es, mit anderen Menschen über Bücher zu sprechen. Wenn ein Buch mich tief innen berührt, dann muss und will ich es anderen ans Herz und an die Seele und an beide Augen legen. Weil jedes gute Buch noch mehr Leser verdient.
In einem Sommerurlaub hatte ich alle eigenen mitgebrachten Bücher schon ausgelesen und schnappte mir eins meiner Mutter: Barbara Wood: Rote Sonne, Schwarzes Land.
Oh Gott, ich verliebte mich in das Buch! Und weil der Urlaub noch sieben Tage andauerte, gestand ich mir pro Tag nur eine bestimmte Seitenanzahl zu, damit ich bis zum Ende etwas davon hatte.
Mein Leben ist voll von solchen Buchgeschichten.
In der Wohnung, in der ich jetzt mit Mann und dem Fellmonster lebe, gibt es vor allem im Wohnzimmer Bücher. Viele, viele Bücher. Allerdings bin ich in den letzten Jahren dazu übergegangen, nur noch diejenigen Bücher zu behalten, die ich wirklich wertvoll finde, die etwas in mir berühren und auslösen. Die anderen verkaufe, vertausche und verschenke ich.
Kürzlich schickte ich einer Freundin ein Foto von unserem Wohnzimmer, worauf die entgeisterte Frage kam: "Wem gehören eigentlich die ganzen Bücher?"
Was für eine seltsame Frage! Unseren Nachbarn?
Wohnungen ohne Bücher machen mir Angst. Okay, seit kindle und Ebook kann man nicht immer direkt sehen, ob ein Mensch gerne liest. Ha, tricky!
Ich bleibe bei Papier. Der Mann ist seit einem Jahr zur Elektronik gewechselt, was auch okay ist. Ich meine, wir haben nicht mehr so viel Platz für neue Regale.
So, und jetzt endlich zu meinen Bucherfahrungen!
Vor wirklich vielen Jahren las ich dieses Gedicht und es ist bis heute eins meiner liebsten:
Weil du nicht da bist
Mascha Kaléko
Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe
All meine Einsamkeit auf dies Papier.
Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe.
Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir.
Weil du nicht bist, ist der Bäume Blühen,
Der Rosen Duft vergebliches Bemühen,
Der Nachtigallen Liebesmelodie
Nur in Musik gesetzte Ironie.
Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.
Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an
Mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,
Dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann.
Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschirm;
Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.
November singt in mir sein graues Lied.
»Weil du nicht da bist« flüstert es im Zimmer.
»Weil du nicht da bist« rufen Wand und Schränke,
Verstaubte Noten über dem Klavier.
Und wenn ich endlich nicht mehr an dich denke,
Die Dinge um mich reden nur von dir.
Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen
Und weck vergilbte Träume, die schon schliefen.
Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.
Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.
Ich hatte damals noch nicht die Erfahrung gemacht, mich von einem Partner oder Geliebten zu trennen. Aber ich wusste, was Einsamkeit ist.
Mascha Kaleko war eine deutsche Jüdin, die in die USA emigrierte und überlebte. Ein Teil ihrer Gedichtszyklen erzählen von der Fremde und Entwurzelung.
Ich mag ihre Gedichte sehr. Sie sind traurig und ernst, betroffen und verzagt, sie sind fröhlich, munter und aufgeweckt, sie sind voller Liebe und voller Schmerz, voller Zartheit und Wahrheit, sie sind Licht und schattig, sie sind bunt und sie sind tiefenscharf.
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenLiebe Weltseele, das finde ich schön :)
AntwortenLöschenIch glaube nicht, dass du dir allzu große Sorgen in Bezug auf deine Anonymität machen musst, solange du nicht deinen Klarnamen angibst oder Fotos von dir postest, auch wenn ich gut nachvollziehen kann, dass du vorsichtig bist. Das ist auch gut so.
Ich liebe das Bild vom roten Faden und ich mag die Sage um Ariadne sehr gerne. Die Herrin des Labyrinths. - Den Weg hinaus werde ich schon finden.
Übrigens war auch meine erste Fremdsprache Latein und später habe ich ein bisschen klassische Philologie studiert^^
Danke für das Gedicht :D Ich hab mir das mal ausgedruckt. Tja, wenn es damit nicht klappt, weiß ich es auch nicht :D
Alles Liebe!
"If you have enough book space, I don't want to talk to you."
AntwortenLöschenTerry Pratchett
Ich bin eine, die Zitate aus Büchern rausschreibt. Eines möchte ich dir heute dalassen, weil ich glaube, dass es gut zu dir und diesem Post passt:
"And if poetry doesn't matter, why is it that there are people who find their only comfort on earth in reading it? Why is it that some poets are the only companions of lonely or unhappy people? What is it that they find in books which nothing else in the world can show or tell them? Do you know? [...] And why is it that some people try all their lives to become writers or poets, even though they are too ashamed to show their work to anyone? Why do they keep on trying? Why do they write and write, putting their poems and stories away as soon as they're finished? Where does their dream come from? [...] I'll tell you what it is. It is a dream of wholeness, and of beauty. All the yearning and all the unhappiness and all the sickness can be taken away by that vision. And the vision is real. I know."
Peter Ackroyd (aus dem Roman 'Chatterton')
Liebe Anima,
AntwortenLöschen"ein bIsCHen" gefällt mir.
Ich glaube, es gibt auch Erwachsene, die genug Klugheit und Sanftmut besitzen, um anderen erwachsenen Personen zu sagen, dass sie keine Angst haben müssen. Nicht, weil die Angst nicht erlaubt ist und weil die andere Person sich lächerlich macht, sondern um einzuladen, die Perspektive zu wechseln und herauszufinden, dass keine reale Bedrohung gegeben ist.
Dass dein Körper sieben Jahre alt ist, hat das eine spezielle Bedeutung? Ist mit 7 irgendetwas bestimmtes passiert, sodass du ab dann nicht mehr gealtert bist?
Oder war es lediglich ein Beispiel?
Mascha Kaléko ist toll. Vor allem mag ich "Memento" und "Letztes Lied" von ihr. Aber auch viele andere ihrer Texte berühren mich sehr.
Ich wünsche dir, dass du noch viele wunderbare Bücher kennen lernst, aus denen du Kraft und Hoffnung schöpfen kannst.
Alles Liebe,
Feli