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Mittwoch, 11. Februar 2015

undsoweiter



Ich versuche, Worte zu (er)finden.
Sie sollen mich kleiden, ich fühle mich so nackt.
Ich möchte mich in Worte wickeln, wie ich mich früher ins Hungern wickelte, möchte den vertrauten Trost spüren, irgendetwas richtig gemacht zu haben.
Ich möchte mich mit-teilen.
(Möchte mich teilen, in der Mitte entzwei, ich bin immer noch zuviel und zwei halbe Ichs wären noch mehr als genug)
Mein Körpergefühl ist nicht schön.

Die letzten Tage waren nicht heiter.
Eher bewölkt.
Manchmal
verweigere ich mich der Zeit.

In einem Leben, das ich früher einmal geführt habe, glaubte ich, dass die Uhren in meinem Universum allesamt verkehrt gehen müssten.
Zu langsam, viel -
Immer dann, wenn ich die Knochen den Körper aus der Dusche in Richtung Schwimmhalle schob. Ein Blick zur großen Uhr an der wand, ehe ich ins Wasser glitt und Bahnen zu ziehen begann. Ich versuchte, sie nicht zu zählen und erst wieder zur Uhr zu blicken, wenn es vorbei war. Wenn die 60, 90, 120 Minuten erreicht waren. Wenn ich 100, 200, 500 Bahnen gelitten geschwommen war.
Und dann, wenn schließlich die Erschöpfung unter meine Gänsehauthaut kroch, blickte ich zur Wand, ganz sicher, dass mich die Uhr loben würde.
Stattdessen waren gerade erst 15 Minuten vergangen.
Oder auch 17.
Oder 21.
Viel
zu wenig
für
ein zuviel
wie mich.
Die Uhr verspottete mich jedes Mal.

Manchmal gingen die Uhren auch zu rasch,
wenn ich morgens in der Küche frühstückte und plötzlich die Rebellen Hunger
den schwachen König Selbstbeherrschung stürzten.
DannmussteichschnellschnellzumBäckerundBrötchenButterMarmeladekaufenundschnellschnellzurückindieWohnungundWasseraufsetzenfürTeeundWärmflascheunddieTütenöffnenschnellschnellunddannOhGotthimmlischeNahrung!
Und nach einer Minute oder zwei war plötzlich eine Stunde verstrichen und nun musste ich handeln, rasch, ehe der Körper anfing zu verdauen.

Ich dachte, dass die Zeit ihre Spielchen mit mir treibt,
bis ich feststellte, dass meine Essstörung sich nicht an
die Zeit
zu halten gedachte. Sie hungerte 24/7. Sie stand nachts auf und fing an zu kochen. Sie ging nicht vor 3Uhr zu Bett und trank Cola light gegen den Hunger. Sie schlief bis 12 Uhr. Sie lag wach neben Mann und Hund und der Kopf explodierte. Es interessierte sie nicht, ob ich eine Beziehung hatte, ein Sozialleben, ein Studium und einen Job.

Auf dem Weg zurück musste ich lernen, den Uhren wieder zu vertrauen.

Trotzdem gibt es noch diese Tage, an denen ich mich um 14 Uhr ins Bett lege, als sei es tiefste Nacht. Zusammengekrümmt, ich würde in eine Walnussschalenhälfte passen.


Breathe. Just – breathe.
One step at a time,



2 Kommentare:

  1. Liebe Anima,

    dass es diese Tage noch gibt, ist doch aber nicht schlimm. Nur weil du gesund wirst (oder dich von der Essstörung entfernst) musst du ja nicht 24/7 funktionieren, immer sonnige Tage haben und mit einem fantastischen Körpergefühl herumlaufen. Schlechte Tage sind erlaubt und okay! Sei da nicht zu hart zu dir selbst.
    Deinen letzten Post habe ich auch gesehen. Das Bild mit den "expectation" und "reality"-Pfeilen kannte ich natürlich schon. Was mir allerdings erst diesmal aufgefallen ist: auch der "reality"-Pfeil zeigt letztendlich doch nach all den Wirren nach oben. Das ist vielleicht auch an schlechten Tagen ein tröstlicher Gedanke.

    Ich schicke dir ein wenig meiner Sonnigkeit (die ich trotz des total bewölkten Himmels hier habe :)),
    Elena

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  2. Liebe A.,
    ich wusste gar nicht, dass du auch zwanghaft geschwommen bist.
    Dein Post klingt schmerzhaft und verängstigt. Ich hoffe so sehr, du bist an einem sicheren Ort und ich hoffe so sehr, du bist dabei nicht alleine.
    Ich denke an dich und schicke dir Kraft.
    Anna.

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