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Samstag, 14. Februar 2015

Halb gedacht

"Mit einer Kindheit voll Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten" - Jean Paul

Ich habe oft und immer wieder über diesen Satz nachgedacht.
Wenn JP recht hätte und man davon ausgeht, dass zwei Hälften ein Ganzes ergeben,
dann
habe ich mein Leben schon vor einer ganzen Weile
verlebt.

Ich war zehn, als meine Kindheit endete. Nicht plötzlich, es war eher ein heimliches Sichdavonstehlen. Ich fiel aus dem Rahmen, in den ich bislang gepasst hatte.
Ich fiel lange und ich fiel hart.

Mit zwölf begann ich zu frieren.
Mit vierzehn war ich halbtot vor Kälte.
Mit vierzehneinhalb war vom anderen halb noch Kommaperiodeeins übrig.

Ich war ein Salamander
auf der Suche nach Sonne
mein Blut war Eis.

Meine Kindheit wärmte mich nicht mehr.

Die erste Hälfte meines Lebens war also verhältnismäßig
kurz.

Aber man muss vielleicht berücksichtigen
dass Kälte
konserviert und die Zeit
zerdehnt.
Ich lernte im Permafrost zu leben.
Oder da zu sein. (Wozu auch immer)

Hätte JP recht, wie
traurig
wären meine Aussichten heute.

Er spricht nicht von Tauwetter, vielleicht
wußte er nicht, dass auch nach einem halbhalb gelebten Leben
jemand kommen kann,
der deine Füße aufwärmt
und deine Ohren
die Nase
(das kleine Klopfklopf tief drinnen).

Vielleicht wußte JP nicht,
dass der richtige Mensch
heilen
kann.

"Man braucht nur eine Insel, allein im weiten Meer. man braucht nur einen Menschen, den aber sehr."
Mascha Kaleko

11 Kommentare:

  1. Liebe Anima,

    deine Worte sind berührend und machen mich nachdenklich.
    Vielleicht meinte Jean Paul auch, dass eine gute Kindheit einen Menschen zumindest ein halbes Leben lang vor Kälte schützt, sodass man in diesem halben Leben genug Zeit hat, Ressourcen zu sammeln, um sich im nächsten halben Leben selber schützen zu können?
    Den Satz von Mascha Kaleko mag ich sehr. Es ist nicht gut, sich auf einen Menschen ganz zu verlassen, weil man immer noch in der Lage sein sollte, sich selbst retten zu können. Trotzdem sind manche Menschen sehr wichtig, um daran zu erinnern, was das Leben Gutes bereit hält.

    Ich wünsche dir, dass du dich nicht allein im weiten Meer fühlst.

    Alles Liebe,
    Feli

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  2. Liebe Anima,

    danke für deinen Kommentar auf meinen mittlerweile gelöschten Post, wirklich sehr lieb von dir, mir ein imgainäres Paket zu schicken! Vielleicht bekomme ich heute ja noch den Wochenrückblickspost hin, den ich eigentlich schreiben wollte.

    Vielleicht meine Jean Paul auch, dass man, wenn man in seiner Kindheit Liebe erfahren hat, mindestens sein halbes Leben lang diese erfahrene Liebe an seine Umwelt abgeben oder sie teilen kann. Ich mag das Zitat jedenfalls.
    Das von Kaleko reimt sich schön. Falls sich der eine Mensch nicht auf sich selbst bezieht, dann macht mir das Zitat eher Angst, von wegen sich von jemandem abhängig machen.

    Ich wünsche dir einen schönen ruhigen Sonntag,
    Elena

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  4. Liebe Nina,
    ich danke dir für deine Worte (und entschuldige bitte, dass ich dir erst jetzt darauf antworte.) Ich weiß, dass die Bastarde nicht zu mir gehören... aber gleichzeitig haben sie trotzdem eine Art Einfluss. Mh.

    Ich glaube nicht, dass man Liebe messen kann oder dass es darauf ankommt, wann man diese Liebe gespürt hat. Natürlich erleichtert es das ein oder andere, evtl. die Entwicklung, wenn man eine liebevolle Kindheit hatte, auf der anderen Seite schützt auch das nicht vor allem... Vielleicht kommt es nicht so sehr darauf an, wann diese Liebe da war, sondern wie man sie nutzt? Und ich glaube auch nicht, dass man sie "aufbrauchen" kann wie ein Nahrungsvorrat... Ich hoffe, ich habe jetzt nichts Falsches gesagt.

    Alles Liebe dir,
    Achlys

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  5. Liebe Anima,
    so, wie du den Nebel empfindest und beschreibst, hat er etwas sehr Fürsorgliches, Beschützendes und Haltgebendes an sich. Die letzten Tage habe ich versucht, ihn auf diese Art zu sehen. Ihm ist etwas von seiner Bedrohlichkeit abhanden gekommen, auch durch das Gedicht von Hesse. Hab vielen Dank...

    Ich sehe es wie Feli: Natürlich ist es schön, wenn man durch eine behütete Kindheit so viel Wärme mitbekommen hat, dass diese einem über kalte Lebensabschnitte hinweg tragen kann. Doch für so viele Menschen endet die Kindheit, bevor sie richtig begonnen hat. Diese sind aber dadurch gewiss nicht zu ewigem Unglücklichsein verdammt, da gebe ich dir Recht. Es gibt Menschen, Tiere, Bücher, Gedanken... die einem helfen können, die Wärme wiederzufinden. Ich lass dir eine Tasse Tee und eine warme Decke da.
    Ganz viele guten Wünsche sende ich dir, Anna.

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  6. Liebe Anima,
    danke dir, von ganzem Herzen, für deine ehrlichen Worte. Ich schätze sie so sehr.

    Ich gebe ganz klar zu, dass ich Angst vor der Zunahme habe. Allerdings habe ich die Lebensmittel und das Frühstück in der Absicht und mit dem Bewusstsein konsumiert, dass ich wohl zunehmen würde. Was mich nun natürlich frustriert und verunsichert, ist, dass es eben nicht zu der Zunahme gekommen ist. Natürlich weiß ich, dass der Körper keine Maschine ist, aber der Waagengang hat mir das Gefühl gegeben, er würde sich richtiggehend gegen eine Zunahme wehren. Fakt ist, dass mein BMI (wenn auch knapp) über 18,0 liegt, in meiner Familie völlig normal. Fakt ist, dass ich meine Periode bekomme, etwas, dass ich immer als das ultimative Zeichen des Gesundseins gesehen habe. Du hattest ja geschrieben, dass du deine Regel bei 38 Kilo wiederbekommen hattest - da ich vermute, dass du größer als 1,40m bist, warst du zu diesem Zeitpunkt aber wohl definitiv nicht gesund.
    Fakt ist nämlich auch, dass mein Blutbild die letzten drei Mal katastrophal war. Fakt ist, dass mir ständig furchtbar kalt ist. Fakt ist, dass meine Nägel und Haare abbrechen und Wunden ewig zum Verheilen brauchen.
    Fakt ist wohl, dass du Recht hast und mein Körper einfach noch ein paar Kilo zusätzlich braucht (vielleicht noch mehr Zwischenmahlzeiten...?)
    Danke nochmal und eine Umarmung, Anna.

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  7. Liebe Anima (schöner Name übrigens - gibt's nen Grund, warum du den nicht als Anzeigename auf Blogger verwendest?),
    ich halte es mit Achlys und Anna. Sicher kann man Liebe nicht messen, wiegen und in Wärme umwandeln. Aber sicher wappnet eine liebevolle Kindheit in gewissem Maße für die kalte Welt. Wo stündest du, wenn du diese zehn Jahre Kindheit nicht gehabt hättest? Wärst du so weit gekommen, wie du gekommen bist?

    Ich bin gar nicht mutig :D eher trotzig. -
    Ja, mal gucken, ich nehme wahrscheinlich was Synthetikmäßiges und der Freak will, dass es nicht zu warm ist, damit man nicht das Gefühl hat, zu ersticken. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie ich das Ding zu einer Antiflashbackdecke machen soll...? Mein Gehirn 'entscheidet' ja ziemlich autark über Flashbacks, ich kann nur versuchen, mich bzw. uns gut im Hier und Jetzt zu orientieren, das ist aber abends und nachts eher schwer und Betten haben ziemlich viel Triggerpotential.

    Liebe Grüße
    Ariadne

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  8. Liebe Anima,
    keine Sorge, du klangst keineswegs oberklug, sondern einfach nur ehrlich, und dafür bin ich sehr dankbar! Mein Post hat mit einer Menge Fragezeichen geendet, diese sollten verdeutlichen, dass ich mir nicht anmaße, die alleinige Weisheit und Wahrheit gepachtet zu haben, sondern im Gegenteil ziemlich ratlos und für Meinungen und Anregungen jederzeit offen bin. In dieser Hinsicht habe ich leider nicht wirklich einen Ansprechpartner, da meine Therapeutin sich mit Essstörungen nicht so gut auskennt und ich mir selbst bzw. der anorektischen Stimme in mir so wenig vertraue. Umso mehr schätze ich die Rückmeldungen hier, einfach die persönlichen Ansichten.

    Das Wiegen ist natürlich auch so ein Thema. Ich würde es gerne lassen, aber bin hin- und hergerissen von der Angst, unkontrolliert zuzunehmen (die besteht natürlich noch) und der Angst vor einem Gewichtsabsturz (das ist mir nämlich passiert, als ich letztes Mal die Waage 8 Wochen weggesperrt hatte).

    Für mich wäre Freiheit, mir kein Lebensmittel mehr zu verbieten.
    Die Schokolade zu essen, wenn ich Lust darauf hätte. Oder auch die Schokolade nicht zu essen, weil ich gerade keinen Appetit habe, weil ich die Sorte nicht mag oder aber lieber das Stück Kuchen nehme.
    Freiheit wäre, dass der Grund, weswegen ich ein bestimmtes Nahrungsmittel gerade jetzt ablehne, keinen Essstörungsbezug mehr hat.
    Ich denke, Freiheit bedeutet, dass ich die Entscheidung über meine Mahlzeiten treffe und nicht mehr die Essstörung.
    Hältst du das für realistisch?

    *drück* Anna

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  9. Liebe Anima,

    deine Metapher mit den Wurzeln gefällt mir gut.
    Ich glaube, dass wir beide irgendwann stark genug sein werden, Knospen und Zweige hervorzubringen und uns selbst Schatten zu spenden und gleichzeitig die Sonne in uns aufzusaugen.
    Das wünsche ich uns.

    Alles Liebe,
    Feli

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  10. Hallo du Liebe,
    deine Worte über die Angst haben mich zum Nachdenken gebracht, und ich glaube, du hast da ein paar wichtige Dinge genannt.
    Ohne Angst gibt es auch keinen Mut. Man muss sich den eigenen Ängsten stellen, um zu wachsen und stärker zu werden - alles andere ist nichts als Selbstbetrug. Natürlich kann man sich "halb-gesund" um alles Mögliche herumlarvieren - den Fokus auf das Frühstück mit den 100 kcal mehr legen und ausblenden, dass man wieder am Mittagessen spart - aber das schadet letztlich nur der eigenen Person. Vom Kalorienzählen und Essenabwiegen bin ich glücklicherweise weg, das ist kein normales Essverhalten und das will ich nicht, doch der Spagat zwischen "ich möchte nicht das zählen, was ich esse" und "ich muss die Anorexie kontrollieren, sie wird versuchen, mich hereinzulegen und die halbe Brotscheibe wie eine ganze aussehen lassen" fällt mir noch schwer.

    Es tut mir sehr Leid, dass du gerade in einer schwierigen Woche steckst. Wenn es nicht zu persönlich ist: Magst du ein wenig beschreiben, was du als einen "Rückfall" empfindest?
    Und, ganz wichtig: Hast du für dich klar, was die Auslöser sind für das nichtgute Gefühl? Immer noch der heftige Flashback von neulich? :/

    Auch dir alles, alles Liebe <3

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  11. Hey danke für deinen Kommentar.
    Ich weiß schon, dass das alles durch meine ES kommt.
    Natürlich esse ich zu wenig, aber das muss ich auch, sonst nehme ich ja nicht ab.
    Sicherlich ist Hungern der verkehrte Weg und 4 Stunden Sport pro Tag auch, aber das ist eben die ES.
    Halte durch und es ist gut, dass du krank geschrieben bist. Wie sieht es denn bei dir mit einer Klinik oder Therapie aus?

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