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Dienstag, 3. Februar 2015

Knochen


Hallo ihr da draußen,

Heute fühle ich mich müde. Weniger körperlich, eher mental. Und gereizt. Und genervt.
Uff.

Vielleicht ist aber auch nur mein Gehirn etwas durchgerüttelt worden … etwa 10 Meter von unserem Haus entfernt, rottete seit Wochen ein dicker Knochen vor sich hin. Ich fand das unappetitlich und wusste, wenn der weltbeste Hund den sieht/riecht, gibt es kein Halten mehr. Bislang war ich immer achtsam... heute aber ließ ich sie ein Stück zu früh von der Leine und – zack – hockte sie im Gebüsch, Beute im Maul.
Oh wurde ich wütend!
Vor allem, weil mir klar war, dass ich um nichts in der Welt dieses Stück Aas aus diesem Gierschlund herausbekommen würde....also, der weltbeste Hund ist nicht komplett schlecht erzogen. Aber in ihr steckt ein Labrador und die fressen, was sie finden. Je ekliger, desto besser. Ja, wir haben alles ausprobiert: schimpfen, locken, etwas Besseres anbieten, Kiefer aufbiegen, trainieren, Essbares liegen zu lassen … und : nope, nicht mit diesem Hund!
Das ist im Übrigen einer der wenigen Momente, in denen ich unglaublich wütend auf sie werde!
Denn das Ganze geht dann so weiter: ich (wütend, schimpfend oder freundlich lockend) versuche mich dem weltbesten verfressensten Hund der Welt zu nähern. Sie frisst oder schlingt und beobachtet mich dabei …. sobald ich FAST in Griffweite bin, springt sie auf und rast davon, um sich etwas weiter entfernt erneut genüsslich nieder zu lassen. Bis ich wieder FAST in Griffweite bin... und während wir also Fangen spielen, werde ich immer ärgerlicher. Heute hatte ich dann irgendwie die Leine so blöd in der Hand, dass das Metallende hochflog und mir an die Stirn knallte. Die erste Beule seit ich denken kann – aua!
Ansonsten habe ich irgendwann einfach gewartet, bis sie fertig gegessen hatte und bin dann mit ihr nach Hause gegangen. (Wo ich sie geprügelt und in den Keller gesperrt habe)
Ich glaube, schlimmer können nur Kinder sein...

Alles Liebe nach da draußen

1 Kommentar:

  1. Hallo liebe A.,
    es ist beruhigend zu wissen, dass du auf deine eigenen Grenzen und Bedürfnisse achtest und nicht zu viel Energie in diese "negativen" (du weißt, was ich damit meine) Blogs investierst. So, wie ich dich hier kennen gelernt habe, vertraue ich auch darauf, dass du reflektiert genug bist und auf dich aufpasst...

    Hm, ich habe schon manches Mal darüber nachsinniert, ob eine Anorexie nicht in gewissem Sinne eine Psychose ist - mit dem Wahninhalt des eigenen Körpers. Eine Angststörung hingegen ist ja dadurch gekennzeichnet, dass der Betroffene WEISS, dass im Prinzip keine Gefahr besteht, und sich der Angst schämt. Zumindest in den Anfangsstadien der Anorexie haben die Erkrankten aber meist keine Krankheitseinsicht, da würde ich es eher den Psychosen zuordnen, und erst im späteren Verlauf, wenn ein Problembewusstsein da, die Angst aber noch übermächtig ist, den Angsterkrankungen. Nunja, genau wie du halte ich nicht allzu viel von den gängigen Diagnosekatalogen bzw. von Diagnosen allgemein, von daher schätze ich, es ist eigentlich nicht wirklich wichtig.

    Nach reiflicher Überlegung und Rücksprache mit meinem Psychiater und meiner Therapeutin habe ich beschlossen, zunächst nicht stationär zu gehen. Ich habe mir ein paar Klinikinformationen geben lassen und werde mich vielleicht auf Wartelisten schreiben lassen. Meine mangelnde Öffnungsbereitschaft und die lange Zeit, die es selbst bei meiner bisherigen Therapeutin bis zum Aufbau einer tragfähigen Beziehung gedauert hat, steht als großer Kontrapunkt im Raum. Auch, wenn ich mich sehr anstrenge, würde es Wochen dauern, bis ich mich einlassen kann - dann wäre der Klinikaufenthalt halb vorbei. Fürs Erste werde ich weitermachen mit der ambulanten Therapie, abwechselnd Stabilisierung und Exposition, und im Zweifelsfall muss eben meine Ausbildung zurückstehen. Und sollte es doch noch nötig werden, stehe ich immerhin auf ein paar Wartelisten. Damit bin ich ganz zufrieden.

    Danke, danke für dein liebevolles Paket! Das sind wirklich Dinge, die ich auf dem steinigen Weg dringend gebrauchen kann. Um ehrlich zu sein, habe ich mich der "dummen, unnötigen" Aufgabe eines Abschiedsbriefs immer verweigert. Ich wollte nie wirklich gesund werden, nicht zu 100%, das kam erst ungefähr im letzten Jahr. Oft dachte ich, nach 10 Jahren Anorexie, mit immer einem Schritt vorwärts und zwei zurück, dass ich ja sowieso nicht gesund werden kann, dass das viel zu schwer für mich ist, ein paar Fortschritte habe ich ja gemacht, das reicht doch, und überhaupt, das Leben ist gemein und Ausreden, Ausreden, Ausreden. Du kennst das ja.
    Aber diesmal habe ich den Willen und, ebenso wichtig, einen konkreten Plan (vielleicht hast du meine neue Seite gesehen?) und ich könnte mir vorstellen, dass es so endlich klappt :) Nicht sofort, und nicht leicht, aber du hast Recht: Man muss es tun. So einfach und so schwer ist das.

    Eine ganz liebe Umarmung sende ich dir, Anna.

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